Exkursion in die Hildesheimer Dombibliothek



Dreizehn Bücherfreundinnen und –freunde trafen sich am 11. November nachmittags in der Hildesheimer Dombibliothek und erlebten eine faszinierende Führung. Die neue Direktorin, Frau PD Dr. Monika Suchan,  nahm sich großzügig Zeit, um die besondere Aufgabenstellung und die außerordentlichen Bestände dieser Bibliothek in der Trägerschaft des Bistums zu erläutern. Von der aufwendigen Arbeit der Katalogisierung noch nicht erschlossener Altbestände berichtete Diplombibliothekar Christoph Schreckenberg, der auch demonstrierte, wie man einen Druck identifiziert, dem das Titelblatt fehlt.

Im Magazin, in das wir geführt wurden, beeindruckten die langen Reihen mit mittelalterlichen (rund 800 Inkunabeln besitzt die Bibliothek) und frühneuzeitlichen Einbänden. Aus dem Handschriftentresor hatte Frau Dr. Suchan  - neben bunt fröhlichen Arbeiten von Nonnen aus dem 15. Jahrhundert - das früheste Werk, das die Bibliothek besitzt, bereitgelegt: ein Reichenauer Epistolar und Orationale aus dem Anfang des 11. Jahrhunderts, das in der expressiven Gestik der Figuren und der reichen, aber disziplinierten Farbigkeit schnell erkennen lässt, dass es sich um eine herausragende Arbeit der Mönche vom Bodensee handelt. 

                                   
Zum Abschluss waren Beispiele aus der Malerbuchsammlung ausgelegt, die zwar nicht umfangreich ist, aber doch deutlich macht, wie die Bibliothek mit ihren Beständen über 1000 Jahre hin in die Gegenwart reicht und das Buchbildnerische unserer Tage mit in ihre Sammlung einbezieht. Ernst Fuchs ist dabei, auch Josua Reichert mit mehreren Arbeiten und auch Gertrud Boernieck, deren Bücher unterwegs sind, Buchobjekte zu werden.
  
Wer dabei war, stimmte zu: Es war ein ertragreicher Nachmittag mit vielen Gelegenheiten zu lernen und sich zu freuen.
Hans-Peter Schramm
                                        

101. Abend

25. Oktober 2016
19.30 Uhr
Stadtbibliothek Hannover


Dr. Udo Jobst

Auf der Suche nach der verlorenen Buchkunst
William Morris, Kelmscott Press 1888-1896

101. Abend: Bericht





Dr. Udo Jobst
Auf der Suche nach der verlorenen Buchkunst
William Morris (1834 - 1896) und seine Kelmscott Press (1888 - 1896)




William Morris wurde als vielseitiger englischer Künstler des 19. Jh. durch Gründung seiner Handpresse „Kelmscott Press“ zum Begründer der neuen Buchkunst in England und auf dem europäischen Kontinent.
Entscheidend für seine Erfolge und seine Anerkennung bei den Buchschaffenden war seine Überzeugung, dass nur durch reine Handwerksarbeit, die er auch für das allgemeine Kunstschaffen forderte (Arts and Craft Movement), das schöne Buch wieder erneuert werden könne. Morris sah durch die Industrialisierung und die damit verbundene maschinelle Buchherstellung die Schönheit des Buches gefährdet bzw. bereits vernichtet. Er stellte die Forderung auf, dass die Rückbesinnung auf das Buchschaffen der Inkunabelzeit die Krise des Buches beenden kann.
Morris’ Devise lautete: „Wenn man denn nur will, kann man wieder Bücher herstellen, die die Schönheit der Wiegendrucke aufzeigen.“
Die 53 Bücher aus seiner Presse sind leuchtendes Beispiel. Schönheit, Lesbarkeit und Dauerhaftigkeit aller Buchanteile dokumentieren diese Auffassung. Auf hochwertigem Papier zeigen alle Bücher von ihm eine harmonische Gesamtgestaltung. Das bekannteste Erzeugnis seiner Presse waren die sog. Canterbury-Tales von Geoffrey Chaucer, heute eine Ikone des Buchdrucks und der Illustration.   
Udo Jobst

102. Abend

29. November 2016
17.00 Uhr
Gottfried Wilhelm Leibniz BibliothekWaterloostraße 8
gemeinsam mit den Freunden und Förderern der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek

Prof. Dr. Hans-Peter Schramm

Schreibmeisterbücher des frühen 18. Jahrhunderts
Michael Baurenfeind "Vollkommene Wiederherstellung der ... Schreibkunst", 1716, und Johann Friedrich Wilhelm Geißler "Anleitung zu dem Dreßdner Cantzley-Ductu", um 1720

Im Anschluss überreicht Prof. Hans Burkardt der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek das im Vortrag besprochene Exemplar M. Baurenfeinds.

102. Abend: Bericht



 Schreibmeisterbücher des frühen 18. Jahrhunderts

Nürnberg war seit dem Beginn des 16. Jahrhunderts das Zentrum der deutschen Schreibmeisterkunst. Auch noch im frühen 18. Jahrhundert kommen die beeindruckenden Schreibmeisterwerke aus dieser Stadt; ein Beispiel ist das anspruchsvoll auf mehrere Bände angelegte Werk des kaiserlichen Notars Michael Baurenfeind, beginnend mit der „Vollkommenen Wieder=Herstellung der bißher sehr in Verfall gekommenen gründlich- u: zierlichen Schreib-Kunst…“, 1716; auf 60 Kupferstichen zeigt er deutsche (Kurrent, Kanzlei, Fraktur) und lateinische Schriften und bedenkt auch die griechische, die hebräische und exotische Schriften. Auf 40 Seiten mit typographischem Satz erklärt Baurenfeind, worauf es ankommt: wie die Buchstaben aus ihren Teilen zusammenzusetzen sind, wie sie zu üben sind, wie die Versalien zu konstruieren sind u.v.a.m. 20 Jahre später lässt Baurenfeind eine Fortsetzung folgen, wieder mit erklärendem Text und noch mehr Kupfertafeln. Aber er weiß, dass die „Delicatesse“ der Kalligraphie bei der Übertragung auf die Kupferplatte oft verloren geht, und macht sich daher an einen dritten Teil seiner „Wiederherstellung“, den er der Nachwelt überlässt in dem handschriftlichen Unikat von 139 Seiten Text auf  Papier und 89 Blatt Pergament mit Zugwerk, Wappen, Schriftmustern und Initialen.


Neben dem Nürnberger Raum hat es nur eine Region erreicht, eine Schriftkultur zu entwickeln, die allgemeiner beachtet wurde: Kursachsen mit den Zentren Dresden und Leipzig. Ein quantitativer Vergleich macht dies deutlich: Während in den 30 Jahren nach Baurenfeinds erstem Band der „Vollkommenen Wiederherstellung“ 10 weitere Schreibmeisterbücher in Nürnberg und Umgebung herauskamen, noch einmal 10 weitere im restlichen deutsch schreibenden Raum – abgesehen von Kursachsen –, erschienen in Dresden und Leipzig 16 Schreibmeisterbücher, „zur Angewöhnung einer netten Dreßdner Hand“, wie es Johann Stäps 1735 formuliert. Diese waren nicht von dem umfassenden Anspruch eines Baurenfeind, eher zweckorientiert auf den Unterricht. Als Beispiel wurde in dem Vortrag Johann Friedrich Wilhelm Geißlers „Anleitung zu dem Dreßdner Cantzley-Ductu“ (ca. 1720) vorgestellt, in der auf  29 Kupfertafeln neben den deutschen Schriften auch die lateinische mit lateinischen und französischen Texten gezeigt werden.



Man hat argumentiert, die deutsche Schrift hätte sich nicht so lange gehalten, wenn nicht die Schreibmeister immer wieder virtuos die ornamentalen Gestaltungsmöglichkeiten neu interpretiert hätten. Der Streit zwischen der Fraktur- und Latein-Fraktion wurde heftig geführt, auch nationalistisch genutzt und missbraucht, bis Hitler durch einen Rundbrief Martin Bormanns vom 3. Januar 1941 die lateinische Schrift als Normalschrift  verfügte; die deutsche wurde -  historisch völlig unbegründet - als „Schwabacher Judenlettern“ verworfen.

Abschließend wurde das im Vortrag vorgestellte Exemplar von Baurenfeinds „Vollkommener Wiederherstellung“ aus dem Vorlass Prof. Hans Burkardts der Leitenden Direktorin der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek, Frau Anne May, überreicht.
Hans-Peter Schramm




103. Abend

24. Januar 2017
Stadtbibliothek Hannover
19.30 Uhr


D. Wolfgang Ruge

Phantasie gegen Ideologie?
Märchenbuchillustrationen der DDR


Die in der DDR erschienenen Märchenbücher zeichnen sich häufig durch phantasievolle Illustrationen aus, deren Qualität bisher noch wenig gewürdigt wurde. Neben auch in der damaligen Bundesrepublik bekannten Künstlernamen wie Josef Hegenbarth und Eva Johanna Rubin gibt es weniger bekannte Künstlerinnen und Künstler, deren illustratives Können nicht vergessen werden sollte und daher vorgestellt wird.

103. Abend: Bericht





Phantasie gegen Ideologie?
Märchenbuchillustrationen der DDR

Die Erinnerung an in der ehemaligen DDR erschienene Märchenbücher und ihre Illustratoren verdient unser Interesse.
Märchen, Sagen und Fabeln waren in der DDR viel benutzte Mittel „sozialistischer“ Pädagogik. Entsprechend unterstanden die hierfür wichtigsten Verlage: Kinderbuchverlag, Verlag Neues Leben, Verlag Junges Leben, direkt der SED. Die Gestalter (Illustratoren) dieser Bücher hatten weitgehend freie Hand mit Ausnahme des Verbots abstrakter Bilder. Sie waren meist in Fachhochschulen in Berlin, Dresden, Leipzig oder Magdeburg ausgebildet worden, fungierten zum Teil auch anschließend als Lehrer dort. So entstanden phantasievolle und auch ungewöhnliche Illustrationen in vielfältiger Technik, die auch heute überzeugen können. Die Spannung zwischen Phantasie und ideologischem Hintergrund muss allerdings bei der Betrachtung immer mit gedacht werden.
„Altmeister“ und Vorbilder für nachfolgende Generationen waren
  1. Joseph Hegenbarth (1884-1962)
  2. Lea Grundig (1908-1977)
  3. Werner Klemke (1917-1994)
  4. Karl Fischer (geb. 1921).
Von ihnen wurden jeweils Gesamtausgaben der Märchen der Brüder Grimm illustriert. Werner Klemke konnte den weitesten Einfluss entfalten. Bernhard Nast (geb. 1924), Eva Johanna Rubin (1925-2001), Ruth Knorr (1927-1978), Wolfgang Würfel (geb. 1932), Klaus Ensikat (geb. 1937), Gerhard Lahr (geb. 1938), Dieter Müller (1938-2010), Hans Ticha (geb. 1940), Dieter Heidenreich (geb. 1944), Uwe Häntsch (geb. 1949) und weitere Künstler wurden mit ihren höchst unterschiedlichen Illustrationsideen vorgestellt. Die Frage, ob sie sich mit ihrer Phantasie gegen die herrschende Ideologie der DDR bezogen haben, muss allerdings so beantwortet werden: „Bei der allgemeinen politischen Überwachung waren vorauseilender Gehorsam und individuelle Überzeugung als Gemengelage“ (R. Fasold) eher vorhanden als offene oder verdeckte Gegenposition.
(Literatur: R. Fasold und B. Lauer: Ideologie und Phantasie. Kassel und Heiligenstadt 2012)
Wolfgang Ruge

104. Abend

21. Februar 2017
19.30 Uhr
Stadtbibliothek Hannover


Peter Endebrock

"... Nebst nothwendigsten Anstands- und Klugheitsregeln"
Regelbücher für Kartenspiele

104. Abend: Bericht



Peter Endebrock

„… Nebst nothwendigsten Anstands- und Klugheitsregeln“
Regelbücher für Kartenspiele

Spielkarten sind in Europa seit dem Ende des 14. Jahrhunderts bekannt. Die frühesten Nachweise findet man in Spielverboten. Da es sich meist um Glücksspiele, immer aber um Spiele um Geld handelte, waren sie bei der Kirche (Unmoral) und der Obrigkeit (wirtschaftlicher Ruin) unbeliebt.
Von den Spielen aus dieser Zeit kennen wir höchstens den Namen und ganz selten Spielregeln. Eine besonders lange Auflistung (586 Spiele) gibt es in der „Geschichtklitterung“ von Johann Fischart, einer Nachdichtung von „Gargantua und Pantagruel“ von Rabelais, erschienen 1590. Allerdings sind das nicht nur Kartenspiele, sondern auch Würfel-, Brett-, Ball- und viele weitere Spiele.
Spielregeln für Kartenspiele werden ab dem 17. Jahrhundert veröffentlicht, die Spiele sind aber meist schon viel älter. Neben den eigentlichen Spielregeln und Anweisungen zu Spielstrategien enthalten sie häufig weitere Informationen wie Verhaltensregeln, Warnungen vor Falschspielern und anderes.
Typisch sind zum Beispiel eine „Vorschrifft, Wie sich ein ieder beym Spielen überhaupt zu verhalten und aufzuführen hat.“ von 1739 oder die „nothwendigsten Anstand- und Klugheitsregeln“ von 1842. Ebenfalls 1842 gibt es „Warnende Winke über die künstlichen Mischungen unredlicher Spieler“.
In den Regelbüchern werden häufig mehrere Kartenspiele beschrieben, oft gemischt mit Spielen wie Schach und anderen Brettspielen oder Billard. Häufig wurden mit jeder Auflage zusätzliche Spiele erklärt, die gerade aufgekommen waren.
Daneben gibt es Bücher, die sich mit einem einzelnen Spiel beschäftigen. Dann sind meist nicht nur die Regeln angegeben, sondern auch Hinweise zur Abrechnung, zu Spielstrategien und weitere Tipps. Mit der Entwicklung der technischen Möglichkeiten werden Illustrationen in die Bücher aufgenommen, die beispielhafte Spielverläufe erklären.
Wenn man sich heute über Regeln für Kartenspiele informieren will, hat man neben den Büchern auch die Möglichkeit, im Internet zu suchen. Die vermutlich umfangreichste Sammlung von Kartenspielregeln findet man bei http://pagat.com, allerdings auf Englisch. Bei der deutschen Version sind deutlich weniger Spiele zu finden.
Peter Endebrock




105. Abend

21. März 2017
19.30 Uhr
Stadtbibliothek Hannover


Liederbücher
Zu besonderen Anlässen, an Fest- und Feiertagen wurde früher regelmäßiger als heute gesungen; die anlassbezogenen Lieder erschienen in Liederbüchern, um auch denen das Mitsingen zu ermöglichen, die die Texte nicht auswendig kannten.
Wir stellen uns gegenseitig bemerkenswerte Liederbücher vor.

105. Abend: Bericht